Ohne Logik geht es nicht

Heute gibt es keine Rezension, sondern ein Thema, über das ich in den letzten Jahren nicht nur in Büchern immer wieder gestolpert bin: Die interne Logik einer Geschichte.

Storyinterne Logik?

Wer ein Buch liest oder einen Film schaut, erwartet eine in sich schlüssige Geschichte. Es geht dabei nicht um die Frage, ob alles, was im Buch oder Film vorkommt, in dieser Form auch in unserer relaen Welt existieren könnte. Vielmehr ist für den Leser oder Zuschauer entscheidend, ob die Geschichte in sich geschlossen wirkt und sich logisch anfühlt. Wenn die Charaktere z.B. ihre gegebenen Mittel wie mächtige Magie nicht nutzen, ohne dass es einen guten Grund dafür gibt, fühlt sich dies unlogisch an und der Leser oder Zuschauer verliert den Gefallen an der Geschichte.

Ein sehr deutliches Beispiel sind Geschichten aus dem Bereich Fantasy: Niemand, der Harry Potter oder den Herrn der Ringe gelesen hat, erwartet, dass es Magie, Elfen und Zwerge im richtigen Leben geben würde. Aber wenn Harry plötzlich in einem Kampf gegen Voldemorts Schergen schreiend wegrennt, statt seinen Zauberstab zu zücken, oder Legolas einem davonstürmenden Ork nur groß hinterher guckt, statt seinen Bogen zu greifen und ihn zu erschießen, wird es schnell unlogisch.

Buch, Film und Fernsehen: Logik muss sein

Für eine Geschichte, egal über welches Medium sie transportiert wird, wird es sehr schnell tödlich, wenn die interne Logik fehlt. Manchmal halten andere Aspekte wie spannende Charaktere oder unerwartete Wendungen die Leser und Zuschauer bei der Stange, sehr oft aber springen sie einfach mittendrin ab.

Ein sehr gutes Beispiel für einen solchen Logikfehler ist in meinen Augen die Serie “The Almighty Johnsons”. Knapp zusammengefasst handelt es sich um eine Familie aus vier Brüdern in Neuseeland, die von den Wikingern abstammen und an ihrem 21. Geburtstag als Götter der nordischen Mythologie erwachen. Sie behalten ihre normale Persönlichkeit, aber Aspekte der Gottheit und die ein oder andere besondere Fähigkeit blitzen durch. Meist sind es eher unbekannte nordiche Götter, aber Axl, einer der vier Brüder, wird tatsächlich Odin – immerhin der Allvater aller nordischen Götter. Ach ja, und Dean O’Gorman oder Fíli aus dem Hobbit spielt auch mit 😉

Bis hierhin ein skuriles, aber spannendes Konzept mit sehr viel Potential. Wäre da nicht folgendes Problem: Obwohl Axl und seine Brüder immer wieder mit der nordischen Mythologie konfrontiert werden und Axl sich erst beweisen muss, um wirklich Odin zu werden, kommt keiner von ihnen auf die idee, zumindest rudimentäre Informationen über die nordische Mythlogoie in Erfahrung zu bringen. Wie soll man als Zuschauer da glauben, dass die Charaktere wirklich Interesse daran haben sich mit ihrer Situation auseinander zu setzen, wenn sie nicht einen halben Nachmittag opfern können, um in der Bibliothek oder im Internet zumindest allgemeine Dinge herauszusuchen?
 

In manchen Büchern habe ich das Gefühl, dass gerade unerfahrene Autoren ihren Plot vor Augen haben, und darüber schnell Kleinigkeiten vergessen. Sie wissen, wie die Geschichte weitergehen soll, und verlieren Details aus den Augen – wie z.B. die eigentlich logische Möglichkeit von Axl, sich mal ein wenig in die Mythologie einzulesen, die ihn und sein Leben direkt betrifft.
Sehr selten schleicht sich darüber das Gefühl ein, dass Logikfehler bewusst nicht angegangen sondern überspielt werden, um bestimmte Situationen überhaupt erst erschaffen zu können. Wüsste Axl z.B. nach ein paar Wochen vieles über die nordische Mythologie, hätten die Macher der Serie auf viele lustige Szenen verzichten müssen, in denen gerade Axls Unwissenheit für Konflikte sorgten. Dies ist in meinen Augen allerdings der schlechteste aller Gründe, um Logikfehler nicht zu korrigieren: Wenn eine Geschichte nur durch Brüche der internen Logik funktioniert, ist sie schlichtweg noch nicht fertig.

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