The Hidden Track (Angelika Henschl)

Inhalt

Penny und Lisa – zwei Freundinnen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Penny tut alles, um ihr geerbtes Vermögen zum Tod auf Raten umzuwandeln und vergeht in Drogen-, Sex- und Alkoholekzessen, während Lisa frisch verheiratet die spießige Seite des Landlebens in der gehobenen Gesellschaft kennen lernt und in einem goldenen käfig festsitzt, der sie erdrückt. Beide besuchen ein Festival in London, um längst vergangene alte Zeiten wieder aufleben zu lassen. Aber manche Wunden sind zu tief und manche Geheimnisse zu groß, als dass die beiden einfach so weitermachen könnten wie bisher.
Es sind nur 24 Stunden, aber sie gipfeln in einer Katastrophe, die alles ändert.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Angelika Henschl, die mir Ihr Buch für diese Rezension zur Verfügung gestellt hat.

Mein Eindruck von “The Hidden Track”

Ganz vorne weg: “The Hidden Track” ist ein krasses Buch mit überdeutlicher bildhafter Sprache und schonungslosen Beschreibungen auch der tiefen menschlichen Abgründe. Es ist keine heile Welt, in der Penny und Lisa sich bewegen, sondern ein kaputtes Umfeld voller Tretminen.
Wer das Buch lesen will (und das solltet Ihr wirklich!), wird unter dem hässlichen Schmutz, den Angelika beschreibt, wundervoll ausgearbeitete, kaputte und verletzte Charaktere finden, die eine großartige Geschichte bieten.

Aber nun geht’s los mit der Rezension:
Mein erster Gedanke war, dass Angelika es wirklich wunderbar glaubhaft geschafft hat, einen Kater und die Gier eines Alkoholikers nach dem ersten Schluck am Morgen zu schildern. Es war so überzeugend, dass ich mich wirklich schwer damit getan habe, Penny Sympathie entgegen zu bringen.

Gleich am Anfang hat das Buch für mich eine kleine Flaute gehabt. Penny ist alkohol- und drogenabhängig und oxidiert ohne wirkliches Ziel in den Tag hinein, immer versucht möglichst schnell wieder im Nebel des Vollrausches zu landen. Das Buch beginnt damit, dass sie sich aufmacht das Festival zu besuchen, aber mir fehlte hier doch ein wenig mehr Ziel und Zielstrebigkeit, um wirklich gefesselt zu werden. Was mich gut in der Geschichte gehalten hat war die wirklich sehr gute Sprache von Angelika.
Nach etwa 10% (im Kindle habe ich keine Seitenzahlen) bin ich aber mit Penny aufgetaut, da langsam auch ihre verletztliche Seite durchblitzt und insbesondere ihr Ziel, dass mit Lisa wieder alles so wie früher ist, deutlich wird. Wirklich begeistert war ich aber erst, als Francis auftauchte. Das Spiel zwischen Penny und Francis ist schlichtweg großartig zu lesen. Beide sind für sich schon spannende Charaktere, aber ihr ganzes Potential sieht man nur, wenn sie zusammen sind. Am Ende des Buches gewinnt Francis zudem überraschend noch einmal zusätzlich an Tiefe.

Spannend fand ich den Bruch in der Mitte des Buches. Während man die erste Hälfte aus Pennys Augen wahrnimmt, lernt man danach Lisas Weltsicht kennen – und zwar ebenfalls vom Morgen des Festivaltages an. Das heißt, das man die gemeinsamen Gespräche zwischen Penny und Lisa ein zweites Mal erlebt, dieses Mal allerdings aus einer vollkommen anderen Perspektive.
Zuerst fand ich es etwas schade, da ich unbedingt mehr über Penny lesen wollte, und befürchtete dass es langweilig werden würde, die Gespräche Wort für Wort noch einmal zu lesen. Aber spätestens, als ich die Gespräche nun durch Lisas Augen lesen konnte, hat sich die besondere Wirkung von diesem Kunstgriff gezeigt: Angelika hat so sehr sanft weil unterschwellig und gleichzeitig sehr deutlich gezeigt, wie sehr die beidenen Freundinnen sich auseinander gelebt haben. Wenn man als Leser vor dem Buch sitzt und im Gegensatz zu Lisa genau weiß, was in Penny vorgeht, macht sich schnell das bittere und tragische Gefühl einer auseinandergelebten Freundschaft bemerkbar.

Das einzige kleine Manko sind einige Perspektivwechsel mitten im Text, die sich in der zweiten Hälfte eingeschlichen haben. Teilweise waren sie bewusste Stilmittel am Ende des Buches, um auf verschiedene Charaktere einzugehen, indem jede Figur eine eigene Szene bekam. Aber ein paar Wechsel gab es auch innerhalb einer Szene, was mir persönlich immer nicht so gut gefällt.

Insgesamt ist “The Hidden Track” sprachlich wirklich sehr gut ausgereift und macht Spaß zu lesen. Wer kein Problem mit sehr bildhaften Darstellungen auch unschöner Dinge hat und so wie ich kaputte und zerissene Charaktere mag (oder einfach ein Drama), wird an diesem Buch seine Freude haben.

Fazit

Düster, derbe und menschliche Abgründe. Aber gleichzeitig wirklich gut und tiefsinnig geschrieben. Ich habe das Buch verschlungen und bin vernarrt in Penny und Francis. Von mir gibt es volle 5 von 5 Sternen.

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